Gewaltmarsch


Verrückt ist, wer, gestürzt, sich erhebt und weiterschreitet,

Knöchel und Knie knickt, trotzend dem Schmerz, der ihn durchschneidet,

und weiterschreitet, so als würden ihn Flügel heben,

umsonst ruft ihn der Graben er wagt nicht, nicht zu leben.

Vielleicht sagt er dir, was ihm solch Weitermühn gebot:

die Frau, die auf ihn wartet und einst ein weisrer Tod.

Dabei ist er verrückt, der Gute: in seinem Heim

gehn Brandwind, Staub und Asche sonst niemand aus und ein.

Die Rückwand fiel zerstückelt, geknickt der Pflaumenbaum,

voll Angst die stillen Nächte verloren ihren Flaum.

Könnt ich doch glauben: Nicht nur im Herz blieb unversehrt

das Heim, die Heimat, alles was uns im Leben wert,

und man zurückkehrn könnte und sitzen hinterm Haus;

friedlich die Bienen summen das Pflaumenmus kühlt aus,

Altweibersommer sonnt sich ein Ast im Garten knackt,

in den Laubkronen wiegen sich Früchte prall und nackt

und Fanni steht und wartet blond vorm Rotdornenhag,

und langsam Schatten schreibt der langsame Vormittag. -

Vielleicht kann's doch so werden der Mond strahlt brüderlich.

Freund, bleib doch stehen, ruf mich an: ich erhebe mich!


作者
Miklós Radnóti

译者
Franz Fühmann

来源

https://www.babelmatrix.org/works/hu/Radn%C3%B3ti_Mikl%C3%B3s-1909/Er%C5%91ltetett_menet/de/21664-Gewaltmarsch


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