Seht, Brüder, er ist nun von uns gegangen,
Geprellt sind wir, im eignen Kreis gefangen.
Erinnert euch, ihm fehlten Ruhm und Größe,
Er stand uns bei mit seines Herzens Blöße.
Nur Lehm wird sein
Von seinen Knochen,
Ach, zerbrochen
Ist der Schrein.
Laßt solcherart uns seiner jetzt gedenken:
Natur kann sich nicht zweimal gleich verschenken,
Ihn gibt's nicht mehr und gab's auch vor ihm nie.
So wie ein Blatt mehr ist als eines Blatts Kopie,
Wird auch in all der Zeit ihm keiner gleichen.
Aus seinen Augen wird das Leben weichen,
Seht seinen Kopf, seht seine bloßen Hände,
Die sich verliern im Dunst der Nebelwände,
Erstarrt in Stein -
Reliquiensein,
Darauf sind, ornamentengleich verzweigend,
Linien geritzt, sein Lebensrätsel zeigend.
Licht, Wärme war er uns, gleich wer er war.
Ein jeder wußte, riefs, daß: er er war.
Er mochte diese und auch jene Speise,
Sein Mund sprach ganz auf eigne Weise,
Versiegelt von der Stille nun, Nachklang,
Geläute eines Tempels, der versank
Im Wasser tief, noch höre ich ihn sagen:
„Ein wenig Käse könnt ich jetzt vertragen...",
Seh ihn beim Wein, den er getrunken,
Selig im Tabaksqualm versunken,
Dann wieder rannte er zum Telefon -
Spann seiner Träume farbigen Kokon.
So leuchtete auf seiner Stim das Zeichen:
Es wird ihm unter Tausend keiner gleichen.
Du magst ihn suchen, findst ihn nirgendwo,
Am Kap, in Asien nicht noch irgendwo,
Auch im Vergangnen nicht: Es mehrt sich
Gewesnes, alles wird einmal - nur er nicht.
Gelöscht für immer
Ist seines Lächelns seltsam blasser Schimmer.
Unstetes Feen-Glück, bist zu gehaltlos,
Ein zweites Wunder wird gestaltlos.
Ihr Lieben, dies ist ebenso gewesen,
Wie wir's in Märchen oft gelesen
Auf ihn auch schien vom Firmament ein Strahl,
Wir gingen ans Erzähl'n: „Es war einmal...",
Einstürzt' es, ihn begrabend, auf einmal,
Verweint erzähl'n wir nun: „Es war keinmal..."
So liegt er, wollte schaffend mehr erreichen,
Als einem Denkmal seiner selbst zu gleichen.
Arzneien, Worte, Tränen - nichts weckt ihn noch einmal,
Er war einmal... ein- oder keinmal.
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