aus der Serie „Brotzettel“
An der Endstation bläst der Bahnbeamte in zackig gemusterter
Uniform auf einem rostigen Schrankschlüssel,
aber kein Vogel regt sich. Auch wir schleppen
das Gepäck unsichtbar in den Warteraum,
wo im Eisenofen das Meer rauscht.
An der Wand hängt die anatomisch genaue Abbildung
einer gehäuteten Katze, mit Leisten auf Wachstuch
gespannt. Was hat man telefonisch in uns angerichtet?
Eine mechanische Stimme verglich die kleinsten Ängste miteinander:
Ein umgestülpter Mantel, ein seidengefüttertes Handtäschchen,
oder aber die Vermutung, wir hätten die Kiesel in den Brunnen
des Nachbars hineingeworfen und er hätte das Geräusch schon seit
längerem für alles mögliche gleichzeitig gehalten: Läuten,
Scherbenbruch, Reifenknall und Sonnenuntergang,
wo wir doch gerade tot wahren, einander
stellvertretend, mit einem Preisschild in der Hand.
Hinten an deinem Mantel kleben noch feuchte Blätter.
Ich nehme eins ab und halte es in das Licht, das durch das Fenster fällt,
und sehe dein Gesicht gealtert, wie jemand, der nicht versteht, wozu
die ständigen Veränderungen gut sind. Ich zerkaue das Blatt, spucke es aus,
will seinen Geschmack noch bewahren, vielleicht stellst du Fragen, noch bevor
wir etwas essen und trinken, wobei das dann aus einem Flugzeug abgeworfen
werden müsste, zusammen mit der Lösung der Aufgabe der letzten Woche.
Monika Rinck und
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