aus der Serie „Brotzettel“
Die Panik an der Kreuzung
bricht bei den kleinsten Anzeichen aus, beim Aufkommen der Stecknadel,
beim fernen Läuten, wenn ein Presslufthammer tobt,
denn jeder trägt sie bei sich, in seinem Aktenkoffer mit Zahlenschloss
und Zeitschaltuhr gesichert, die offene Wunde,
dass es keine Gewissheit gibt, wo doch nur ich weiss,
was dabei unbemerkt bleibt, und wenn ich sonst nichts,
wofür dann doch?
Besser ist es, damit weit weg zu rennen
und erst danach die Frage zu stellen,
von der man, wohin man auch schaut,
nur durch die logische Ordnung von Verwesung, Verwelkung,
Schimmelbefall und Blühen geheilt werden kann.
Oder aber mit Worten, zwanglos bis zum letzten Moment,
wenn die fettige Essigblase schon von alleine zerfällt
tiefe Spuren hinterlassend in einem Gläschen Gips.
Oder aber so wie der Mittwoch von jeher eine grausame
Bauernregel fürs Wetter ist, gilt es den regenbogenfarbenen
Pfützen und Teichen des Instinkts geradewegs zu folgen,
in jedem von ihnen träumt eine, im ewigen Eis havarierte
Dreschmaschine ihren schnaufenden Traum. Inzwischen hätten
die rostigen Zähne der gegeneinander antretenden Irrtümer das halbe
Land besetzen können. Nur ich vertraue mich dir an
und von da an, wie eine namenlose Schlucht, alles von Neuem.
Monika Rinck und
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