Venus lebt im Wald.
Die Fensterklinke,
Noch benetzt von ihrer Hand,
Wirft durch die Gardinen
Einen geweihförmigen Schatten an die Wand.
Im Halbschlaf
Hält Venus den Schatten
Für einen Hirschkäfer.
Während sie sich umdreht,
Sagt sie sich lächelnd:
Als Käfer wäre sie riesengroß,
Als Klinke ist sie einfach so groß, wie sie ist.
Die hauchdünne Gardine
Könnte eine schwebende Odaliske sein,
Doch ihr fehlen die Rundungen.
Die rote Hortensie
Bleibt auch im Traum eine rote Hortensie:
Sie ist einfach, was sie ist.
Steht das Fenster zum Wald offen,
Wird das Lager der Venus eine Beute der Blicke:
Ein Schmetterling senkt sich auf die Stirn der Schlummernden
Und sie denkt an ihr Leben vorher,
Da sie nicht Venus, sondern ein Schmetterling war.
Hinter den geschlossenen Augen erscheinen
Die Gesichtszüge des Verführers,
Der an der Straßenkreuzung mit ihr flirtete,
Der in den Vormittag der Venus plötzlich Leben brachte.
Was aber, wenn alles nur ein Missverständnis war:
Nun liegt sie hier, vollkommen preisgegeben,
Doch sobald sie wach ist,
Ist ein Jüngling nirgends zu entdecken?
Früher wäre sie in einem solchen Fall auf die Terrasse getreten,
Um sich eine dünne
Damenzigarette anzuzünden.
Nun aber bedeckt sie ihr Gesicht mit den feuchten Händen.
Die reinen Schauer der Vision
Kommen allenfalls aus dem Badezimmer,
In dem die Kacheln kühl
Und puritanisch-weiß.
Gerhard Falkner und
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