Der Tod auf den Ramblas


Die Ramblas wogen zwischen Platz und Meer,
Die Lebende Statue bewegt sich und gefriert.
Das Mädchen sieht sie: Es sind Maskenspiele,
Doch ihr steht nicht der Sinn nach Maske oder Spiel; zur
Zeit der Vesper
Gibt sie sich nicht für Abenteuer her.
Ein Arcimboldo hat mit Früchten sich bemalt;
Der Legionär in goldner Bronze
Leiht einem Redner Roms sein Ohr;
Auf einem Fahrrad reckt sich ein Skelett...
Doch eine Living doll, die wirklich Finsteres ausstrahlt;
Sie steht im glitzernden Gewand.
Einsam wirkt sie und verloren. »Diese eine
Ahmt und äfft Passanten nach« - auch das Mädchen.
Gegenüber, unter einer alten Platane,
Wacht Che Guevara über seine Truppe, wie gebannt
Kaut er an der Havanna, unser augenrollender Stratege.
»Der Nachbar gegenüber interessiert mich nicht,
Doch diesen schwarzen Sockel, diese Puppe,
Die will ich, denkt das Mädchen, mal umrunden«.
Wo die Pflasterwellen enden, wellen sich des Meeres Wege.
Ist ers, der Gnade nie gewährt, nur Aufschub. Der...
War er es nicht, der mit dem Ritter Schach gespielt?...
Der seinen Posten nie verlässt, wie es ein Kellner tut,
Nicht nützlich ist, wie ein Gepäckträger etwa, oder ein
Biber.
Die Ramblas wogen zwischen Platz und Meer.
»Es ist ja gut, wenn jemand wächst an seiner Rolle,
Aber wie kommt er dazu, der Tod sein zu wollen,
Wer immer er auch sei? Welche Sünde,
Welche Profession treibt ihn auf diesen Sockel?
Maßt er sich an: ob es grausam oder gnädig enden solle?«
Fünf Schritte Mindestabstand: Diese Regel gilt es
einzuhalten,
Falls die Lebende Puppe sich plötzlich bewegt,
Die Kapuze hochhebt und zischt
Und dem verstörten Mädchen ein Los überreicht,
Der Tod, mit einem silbernen Gesicht und seinen
lächelnden Falten.

Gerhard Falkner und


作者
János Térey

译者
Kalász Orsolya

来源

https://www.babelmatrix.org/works/hu/T%C3%A9rey_J%C3%A1nos-1970/A_Hal%C3%A1l_a_Rambl%C3%A1n/de/34253-Der_Tod_auf_den_Ramblas


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