Marianne im bade


Was hat aus frommem Traume
mich aufgeschreckt heut früh?
Kreischend im Nebenraume
die Wasserleitung schrie!

Ach, in der Badewanne
- dämmerte es mir schwach –
lärmt wieder mal Marianne!
Und schon war ich ganz wach.

Ein Bad macht sich die Schöne
da hinter meiner Tür,
mit möglichst viel Gedröhne
verkündet sie es mir.

Jetzt schließt sie ab die Türe,
jetzt sperrt sie zu den Hahn...
Das Weib will mich verführen!
Kein Zweifel ist daran.

Mit Badetuchgewedel
versucht sie's weiter dann.
Ganz wirr wird mir im Schädel.
Sie fängt zu plätschern an.

Jetzt steigt sie in die Wanne
und denkt sich zweifellos:
Ich hört's und weiß, Marianne
ist jetzt ganz nackt und bloß.

Sie taucht noch nicht gleich unter,
reizt meine Phantasie,
mir vorzustell'n wie munter
Schaum spielt um ihre Knie,

wie sie den hübschen, drallen
Körper nun unverwandt
beschaut mit Wohlgefallen
im Spiegel an der Wand.

Jetzt mag sie mich belauschen,
herüber dringt kein Laut,
nur ein ganz zartes Rauschen:
sie streichelt ihre Haut

Zu gerne möcht sie wissen,
ob schon geglückt ihr Plan.
Ich wälz mich in den Kissen
und reiß ein Streichholz an.

Schon hör ich's wieder rauschen,
gleichwie zur Antwort mir.
Geheime Zeichen tauschen
wir derart durch die Tür.

Und weiter treibt's der Racker,
dreht an den Hähnen rum,
planscht in der Wanne wacker
und rührt das Wasser um.

Seltsam wird mir zumute!
Heißt liebe dies Gefühl?
Treibt sie mit kaltem Blute
nicht nur mit mir ihr Spiel?

Jetzt, jetzt, jetzt wirft Marianne
ins Wasser sich! Ich hör,
das Wasser in der Wanne
wallt wie im Sturm ein Meer!

Ich hör die Wanne dröhnen.
Plötzlich tritt Stille ein.
Es klicksen von den Hähnen
nur Tröpfchen noch hinein.

Ich seh sie schweigend liegen
mit angezognen Knien,
der Muschel gleich sich wiegen
im Wasser her und hin.

Jetzt, ohne sich zu regen,
mag sie zur Tür wohl sehn
und listig überlegen,
was weiter könnt geschehn.

Sie weiß, daß diese Türe
ganz Ohr und Auge ist.
Ob ich mich auch nicht rühre,
sie sinnt auf neue List.

Jetzt tröpfelt's in die Wanne,
Musik scheint's wie Stakkat.
Das sagt mir, daß Marianne
sich aufgerichtet hat.

Die Seife aus der Schale
nimmt sie und seift sich ein.
Das schmatzt, als gäb Signale
sie mir mit Arm und Bein,

als flüsterten die Hände
geheimnisvoll mir zu:
Wer mich jetzt sieht, der fände
mich wunderbar wie du!

All ihre Reize flüstern:
Na, komm, na, komm doch her!
Mein Gott, mein Gott, so lüstern
war ich schon lang nicht mehr!

Verlockend ruft mich leise
ein jedes rosige Glied,
und stets auf andre Weise.
Weiß nicht, wohin mich's zieht!

Mein Herz pocht wie im Fieber.
Hört sie es durch die Tür?
Sie lacht gewiß darüber,
spielt Blindekuh mit mir.

Nein, nein, ich hör sie stöhnen,
sie gibt sich einen Kuß!
Was tu ich mit der Schönen?
Werd ich verrückt zum Schluß!

Ich halt mir zu die Ohren!
Was hilft's? Ich hör, ich hör!
Mein Gott, ich bin verloren,
kann's nicht ertragen mehr!

Jetzt braust die Dusche nieder,
hüllt ein das süße Weib,
umschmeichelt Brust und Glieder,
den ganzen rosigen Leib!

Ich hör, ich hör ihn singen,
mit keckem Überschwang
empor zum Himmel klingen
seinen Triumphgesang.


作者
Zoltán Nadányi

译者
Martin Remané

来源

https://www.babelmatrix.org/works/hu/Nad%C3%A1nyi_Zolt%C3%A1n-1892/Mariann_a_k%C3%A1dban/de/25510-Marianne_im_bade


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