Das Alter


Wo, o ihr Augen mein, seid ihr, die ihr ein Gesicht so

gesegnet wähntet?

Und wo, o ihr wunderbaren Ohren, seid ihr, die von einem

lieblich-traurigen Lachen so eselshaft spitz geworden,

und wo, meine Zähne, seid ihr, ihr voll Blutrunst, die

platzen noch praller - und süßere Lippen ihr machtet

als die der Erdbeere?

Und wo bist du, du meiner Brust so ungeheuerer Gesang?

Und wo die Qual und wo der Segen, die ich vergeblich

jetzt suche auf meinen wahnwitzigen Wegen, den

krummen Stock in der Hand,

wo das närrische Hasten? Nachjagen dem Reh, der Rehfüßigen

und danach hinstürzen, wispern, nicht einmal

zu ihr, doch zum Mond …

von irgendwelchen Geheimnissen, die aber keiner gänzlich

verstehn kann und deren Namen allezeit ruhloses

Glück ist?

Wo seid ihr, Bewegungen und schwarze Flüche? Ewige Eile,

wo? Und wo ist der gierige Mund und wo ist mein Lachen?

Herrgott, wo ist mein Lachen und gegenstandsloses

Schluchzen:

als ich, blutlose Ferne dröhnender Morgenfrühen! so oft

hingestürzt bin im Dunkeln vor euch.

Höre, o Jugend, auf mich. Es war einst ein greiser Grieche,

er beide Arme aufwarf, statuengleich, und seine Jugend

wiederfordernd,

Aischylosflüche geschleudert auf den, der altern den

Mensch macht.

Halb blind stand er auf dem Berg, gebadet im Licht, sein

Grauhaar vom Wind gehämmert,

und aus seinen blinzelnden Tränenaugen rann's bis zu den

Füßen der hehren Gottheit.

Und dennoch sein Donnerwort hielt die Mühlen im Lauf

an und machte die Berge erbeben,

und auch der fünfjährige Widder hob seinen Kopf … Die

Gottheit jedoch

sah nicht auf ihn, antwortete nicht dem Alten.

Die Gottheit weinte. Denn, als schlüge mein Trommeln

in ihre Ohren, dumpfdröhnende Trommeln

und es antwortete den Trommeln der Bergsturz und dem

Bergsturz das Meer …

Zu solcher Größe wuchs vor ihm und solcherart heilig das

uralte Elend des Alters,

denn er stand ja schon vor seinem Grab und rechtete

immer noch mit dem Sturmwind

und wollte noch einmal sein Recht hinausschrein, eh er

verfiel.

Dann, freilich, ging er halt fort - still wurde es schließlich

in jener Gegend.

Doch auch in seinem Herz war dann nichts als Stille, vergessen

wir's nicht, und war ein andres, noch größerer Lauschen.

Und um sein Haupt war matter Dämmerschein.


作者
米蘭·富斯特

译者
Franz Fühmann

来源

https://www.babelmatrix.org/works/hu/F%C3%BCst_Mil%C3%A1n-1888/%C3%96regs%C3%A9g/de/3381-Das_Alter


报错/编辑
  1. 初次上传:李大侠
添加诗作
其他版本
添加译本

PoemWiki 评分

暂无评分
轻点评分 ⇨
  1. 暂无评论    写评论