I
Du, der mir immer wieder
in düstrem Traum erscheint,
ach, daß kein Stein sich findet,
der, wo du ruhst, uns kündet,
mein früh verlorner Freund!
Man sagt, du lebst noch immer,
doch scheint's nur ein Gerücht!
Man sagt, du kehrst einst wieder
und singst uns deine Lieder,
ich aber glaub es nicht.
Dein Sterben zu gestehen,
wagt man nicht, weil dies Wort
gewiß zu Tod betrüben
möcht alle, die dich lieben.
Drum lebt der Wunschtraum fort.
Und diese Hoffnung gibt man
noch allzu ungern auf.
Versinkt sie, in der Ferne
wie trügerische Sterne
steigt sie erneut herauf.
Ihr trüben Traumgestalten,
darin dein Bild mir naht,
Gespenstern gleicht ihr matten
dem Grab entstiegne Schatten,
bringt Leben nicht noch Tat!
II
Kein Hügel ist errichtet,
wo deine Asche ruht,
kein Kreuz in weiter Runde,
kein Grab, kein Stein gibt
Kunde von deinem Heldenmut.
Wo ist, ihr Töchter Ungarns,
Antigone, die heut
ein Grab für ihn aufschichtet,
ein Mahnmal ihm errichtet
und Blumen darauf streut?...
III
Im Schoß der Erde ruht er längst, der Held,
wo ihn kein Angsttraum mehr wie einstmals quält.
Nichts fühlt sein Herz mehr, das so viel empfand,
er schläft in Frieden, den er nie gekannt.
Kein Fieber mehr, des Aufruhrs heilige Lust,
halb Prophetie, halb Wahn, durchtobt die Brust.
Sein Hirn, das Zeit und Zukunft übersprang,
ist eine Handvoll Asche nun schon lang.
Ach, er gehörte nicht in diese Welt!...
Ein Trost, der meinen Schmerz in Grenzen hält.
Die Träne brennt nicht mehr, rollt sie hinab.
Ich bin getrost, ich trockne sie nicht ab.
Oft, wenn des Himmels Licht erloschen ruht,
dann fühl ich flammen seines Geistes Glut.
Durch's offne Fenster schwebend naht er leis,
die Stirn mir streichelnd, die gedankenheiß.
Und wenn ich also seine Nähe spür,
dann frag ich selbstvergessen: Bist du hier?...
Erkenn ich dann erstaunt auf meinem Blatt
ein Wort gar, das er selbst geschrieben hat,
dann rufe ich: Dies Wort ist nicht von mir!
Viel stärker ist es, als die andern hier!
Ich segne seine Geisterhand und sag:
Erinnerung, kehr wieder, Tag um Tag...
PoemWiki 评分
暂无评论 写评论