Geschwister


Gern hätt ich deiner Augen dunkles Tal,
umhegt von Wimpern, schwarzen Brauen schmal,
drei Tage lang betrachtet und entzückt
tief in den kleinen wilden Bach geblickt,
der darin blinkt und deiner Träume Glanz
aufblitzen läßt wie flinker Fischlein Tanz.
Drei Tage hätt ich mich erfreut daran,
erst an dem einen, und am andern dann.

Drei weitre Tage hätte ich verbracht,
um anzuschaun die Rundung, welche sacht
abzeichnet deine Brüste unterm Kleid,
den Stern, der darauf ruht und der bereit,
Lichtfelgen auszustrahlen auf die Pracht
der seidnen Hülle, leuchtend meiner Nacht.
Drei Tage hätt ich mich erfreut daran,
erst an der einen, an der andern dann.

Drei Tage lang hätt auch gewiß mein Blick
geruht auf deinen Beinen voller Glück,
die wie zwei Gerten sind, so schlank und schön,
herausfordernd, doch schüchtern anzusehn,
Torflügeln gleich an einem Schloßportal,
die sich ermuntern: öffne dich einmal!
Drei Tage hätt ich mich erfreut daran,
erst an dem einen und am andern dann.

Ja, in der milden Wärme und dem Licht,
die deinem Leib und deinem Angesicht
entströmen, hätt ich gerne Tag um Tag
gesessen, wie ein Kranker sitzen mag
im Sonnenlicht, erwartend, daß sein Herz
sich lösen möcht von allem Erdenschmerz,
sein armer Leib sich hebt in lichte Höhn,
um in das Reich der Märchen einzugehn.

Ein Kind wär ich, dein Kind, ohn jeden Harm,
und selig hielt ich dich in meinem Arm,
so daß mein Herz den Trost von dir erfährt,
den Liebe erst nach langer Zeit gewährt.
Doch wie ein Bruder in uralter Lust
umschlang ich dich, der Sünde kaum bewußt.
So schlief ich ein, bevor der Tag erwacht,
auf ewig dein schon nach der ersten Nacht.


作者
Gyula Illyés

译者
Martin Remané

来源

https://www.babelmatrix.org/works/hu/Illy%C3%A9s_Gyula-1902/Testv%C3%A9rek/de/25573-Geschwister


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