Der alte Herr und seine Zither


Der alte Herr hat eine brave Zither,
fällt ihm was ein, wird ihm die Muße bitter,
nimmt er das gute Ding in seine Hände
und spielt für sich und für die stillen Wände.

Kein Mensch hört zu bei diesem Musizieren,
er will sich ja, weiß Gott, nicht produzieren.
Er denkt, halb taub, halb blind, nicht an die Leute,
er klimpert eben nur zur eignen Freude.

Was man im Land seit hundert Jahren leiert,
wofür man heut die Liedermacher feiert,
das ist ihm fremd, die Töne wie die Worte.
Was er da zupft, ist von ganz andrer Sorte.

Altungarische, mal auch deutsche Weisen,
die lauten Töne wechseln ab mit leisen:
So sangen einst, so klagten die Betyaren,
als sie gejagte Herrn der Pußta waren.

Ein wilder Schrei, ein zügelloser Wille -,
die Saite schrillt, verklingt, dann tiefe Stille,
es gleißt die Melodie wie eine Schlange,
sie lockt, sie stirbt - du hörst sie doch noch lange.

Ein Liedchen folgt, es schleicht sich in die Ohren,
man fühlt, ein Meisterwerk wird hier geboren.
Zum Tanzen fordert auf ein sanfter Rhythmus,
ein Windhauch, bei dem jedes Blättchen mit muß.

Manchmal erwacht ein Sang in trüben Stunden,
den einst vielleicht die Lutherzeit erfunden,
beschwert von Sündenlast, von bittrer Reue,
und hebt das Herz empor zu Gott in Treue.

Das alles kriegt er nicht heraus beim Klimpern,
er fühlt es nur mit tränenfeuchten Wimpern.
Mal ist er selbst an einem Mißton schuldig,
mal ist's das Instrument - man wird geduldig.

Er läßt das alte Stück niemals verstauben,
manch ein Akkord gibt ihm zurück den Glauben,
gar vieles rufen wach die alten Lieder,
ein Takt, ein Wort - was lebt nicht alles wieder!

Und spielt der Alte Lieder ohne Worte,
erinnern sie an Menschen, Zeiten, Orte,
dies lernte er von dem und das vom andern,
zu Haus als Kind und später wohl beim Wandern.

Manchmal entspringt ein neues Lied der Saite.
Aufschreiben? Ach, mag's fliegen in die Weite.
Und fällt's ihm wieder ein, ein Klang, ein leiser...
Hat er's gehört? Hat er's geträumt? Was weiß er...

Dem alten Herrn kann's gar nicht mehr gefallen,
daß ihm die Lieder mehr und mehr entfallen.
Auch seine Kunst wird Tag für Tag geringer,
taugt nur als Übung für die steifen Finger.

Mach trotzdem weiter, Alter, laß dir raten:
Die Zither hilft, würdst du in Not geraten.
Setzt du dich an den Wegrand mit dem Teller,
entlockt dein Spiel den Leuten ein paar Heller.


作者
亚诺什·奥洛尼

译者
Géza Engl

来源

https://www.babelmatrix.org/works/hu/Arany_J%C3%A1nos-1817/Tambur%C3%A1s_%C3%B6reg_%C3%BAr/de/35600-Der_alte_Herr_und_seine_Zither


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