Der Puls der Uhr tickt träge an der Wand,
unmeßbar dehnt die Zeit sich immer länger.
Es wacht die Sorge um das Vaterland
und zieht die Furchen auf den Stirnen enger.
Wie lange noch muß diese Welt gebären?
Wie grausam, Schicksal, kann dein Uhrwerk sein.
Ich kann den Zahnradgang der Räder hören,
doch sind nicht Zifferblatt noch Zeiger dein.
Sie kommt, sie kommt, auch Gott kann sie nicht halten,
wie Felsgeröll, das in den Abgrund fällt:
Ob Leben, Tod, Fluch oder Segen walten,
wer kann es sagen, wer auf dieser Welt?
Unschlüssig ist das Volk, die Denker mürbe,
der Zweifel drückt sie wie ein finstrer Bann.
Wenn doch die Frucht in deinem Schoße stürbe...
O Zeit, verweil, erbarm dich, halte an!
Oh unerträglich dieses Zweifels Qualen!
Man spürt des Würfelns fürchterliche Pein,
gern dehnten wir die Zeit, bevor sie fallen,
die Würfel, - sie entscheiden unser Sein.
Ein Schritt in qualmende Unendlichkeiten,
wo ineinanderwirbeln Sein und Tod.
Wir klammern uns an unsre Elendszeiten,
halt noch ein wenig, Strohhalm in der Not!
Wart noch - doch welches Zagen, welche Reue!
Fort, Angstgesichter, euch will ich nicht sehn!
Vemunft und wahre Patriotentreue,
macht das nicht Mut uns, alles zu bestehn?
Und kämpfen ohne Hoffnung, ohne Glauben
an einen Sieg, den keiner vor sich sieht?
Nein - betet, laßt die Kräfte euch nicht rauben
und stimmet an gestählt das Siegeslied.
Laß, Himmel, nicht Millionen von Gebeten
so ungehört zergehn in deinem Schoß!
Ist so viel Blut der Opfer denn vonnöten,
sinnlos versickernd, wo man es vergoß?
Wo tote Märtyrer dort in der stillen
Scholle verfaulen, muß das Leben neu
entstehn und immer weitre Kreise füllen!
Mein Land, vertrau der Zukunft und sei treu.
Nicht immer ist der Mensch des Schicksals Meister,
oft ist's ein Weiser, manchmal auch ein Narr,
und ist die Hand ermattet, sind die Geister
der unheilvollen Nacht des Mitleids bar.
So läßt der Mensch sich wie eine Maschine
oft träge weitertreiben. Doch so wie
er zu sich kommt in seinem besten Sinne,
erwacht auch neue, höhre Harmonie.
Der Zeiten Flut läßt sich zurück nicht drängen,
sie zwingt und stößt uns vorwärts ohne Halt.
Nur an den Rändern bleiben Algen hängen,
und wendet rückwärts sich des Stroms Gewalt.
Getrost, uns trägt der Hauptstrom in die Weite,
und scheitert mancher auch an hartem Riff,
doch fliegend, mit den Ersten Seit an Seite
gebläht die Segel, vorwärts jagt das Schiff.
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