Mensch in der Unmenschlichkeit


Mein Herz war zerschmettert von einem Gewehrkolbenstoß,

Mein Auge war geschunden von tausend Schrecken,

In meiner Kehle hockte ein stummer Dschinn,

Und mein Gehirn war vom Wahnsinn geschlagen.

Und dennoch, dennoch erhebe dich jetzt, meine Kraft,

Erhebe dich abermals von der Erde!

Mag droben der Morgen schon graun oder höllische Mitternacht dauern?

Gleichviel, erhebe dich nur tollkühn,

Wie du es tatest vor langer, so langer Zeit.

Hundert Himmel und hundert Höllen konnten

Einem stolzen Ungarn nichts schöneres geben

Als Mensch sein in der Unmenschlichkeit,

Ein Ungar im gehetzten Ungartum,

Ein eigensinniger Toter, zum Leben wiedererwacht.

Auf der zertretenen Landstraße der Entsetzen,

Auf dem Gipfel, wie ich’s immer wollte,

Durchträumte ich das Ungeheuerliche:

Wie elend es dem Ungarn ergangen

Und wie Gott manchmal hilflos ist.

Und solch ein Toter muß heute leben,

Solch ein wahrhaftiger Schmerzensmann,

Ein siechender, der in sein lahmes Herz Schätze

Einschreint, daß sie nicht gestohlen werden,

Zu wahren wähnend

Ein schöneres Gestern.

O alle Trauer, wie sehr begreife ich dich,

O alle Zukunft, wie sehr fürcht ich für dich

(Obwohl sich das nicht schickt für einen auferstandenen Toten),

Und wie bedaure ich mein hinschwindendes Volk.

Dann, gerissen aus meinem kranken Herzen,

Fällt es mir wieder und wieder ein:

Mein Herz war zerschmettert von einem Gewehrkolbenstoß,

Mein Auge war geschunden von tausend Schrecken,

In meiner Kehle hockte ein stummer Dschinn,

Und mein Gehirn war vom Wahnsinn geschlagen.

Und wieder leb ich und rufe für andre:

Ein Mensch in der Unmenschlichkeit!


作者
翁德雷·厄岱

译者
Franz Fühmann

来源

https://www.babelmatrix.org/works/hu/Ady_Endre-1877/Ember_az_embertelens%C3%A9gben/de/3374-Mensch_in_der_Unmenschlichkeit


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