21. An Selma


Spräche Hesperus nach, Selma, wie oft er mich
Am gedämpften Klavier trocknen die Augen sah,
Wenn von Händel und Hasse
Mir vehmütiger Trost erklang;

O du schontest fürwahr deines bekümmerten
Freundes, bärgst mir den Wunsch, welcher um mich, um mich!
In den Irren des Tiefsinns
Dir den zitternden Busen hob.

Ist gleich redlich mein Herz, schwingt sich empor mein Geist
Zu dem strahlenden Kranz edler Unsterblichkeit;
Dennoch bin ich nicht deines
Wunsches, beste der Mädchen, wert!

Dir zur Seit', im Gedüft blühender Schatten dort,
Jede Schöne des Mais, mit dem verschönernden,
Selbst durch Selma verschönten,
Kleist, zu atmen, verbeut mein Loos!

Wie der Saiten Musik vor dem beseelteren
Ach! der Sängerin schweigt; schwinge mir Lied und Lenz,
Wenn dein rosiger Mund mir
Spräche himmlischen Harfenlaut!

Tritt mit jenem Gesicht, wenn du den heitern Blick
In dein Innerstes senkst, vor den Allmächtigen:
Bald erfüllt sind die Träume,
Die dorthin mich beflügelten.

An dem rötlichen Baum, wo du im Abendglanz
Philomelen behorchst, und an die Schwester denkst,
Naht urplötzlich dein Bruder,
Und ein Fremder an seiner Hand.

Selma! wenn dir alsdann schnelle Vergessenheit
Deiner leichteren Tracht, wenn dir der Wange Glut,
Und des klopfenden Herzens
Ahndung sagte, daß ich es sei!


1773.10.29
作者
Johann Heinrich Voß

来源

Deutsche Nationalliteratur, hrsg. Joseph Kürschner, Stuttgart: Union Deutsche Verlagsgesellschaft. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0005-893F-4; TextGrid, www.editura.de; CC BY 3.0 DE


报错/编辑
  1. 初次上传:李大侠
添加诗作
其他版本
添加译本

PoemWiki 评分

暂无评分
轻点评分 ⇨
  1. 暂无评论    写评论