Dein Engel


O glaube nicht, du seist verlassen,
Wenn dir kein Mensch zur Seite steht.
Lern nur den leisen Hauch erfassen,
Der, wenn du klagst, dich lind umweht.
Es zieht ein sinnenfremdes Mahnen
Dein geistig Wesen zu sich hin:
»Willst du, willst du denn gar nicht ahnen,
Daß ich, dein Engel, bei dir bin?«

O wolle nicht darüber trauern,
Daß dich kein Mensch im Herzen trägt.
Dort, jenseits unsrer Kirchhofsmauern,
Giebts einen Puls, der für dich schlägt.
Er hat für dich schon hier geschlagen,
Und fühlst du ihn, so sagt er dir:
»Du wirst auf Flügeln stets getragen;
Ich bin dein Engel; glaub es mir!«

O laß dir nicht ins Auge steigen
Des Leides stille Thränenfluth.
Wiß, daß grad in den schmerzensreichen
Geschicken tiefe Weisheit ruht.
Grad in des Lebens schwersten Stunden
Spricht tröstend dir dein Engel zu:
»Durchs Leiden hast du mich gefunden;
Ich bin getrost; nun sei's auch du!«


作者
Karl May

来源

Himmelsgedanken. Gedichte von Karl May. Freiburg i.Br.: Friedrich Ernst Fehsenfeld (1900). XI, 360 S., 2 Bl. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0004-2E54-1; CC BY 3.0 DE; TextGrid, www.editura.de


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