Monolog eines Modelljägers


Welch ein herrlicher Kopf! Und einer der vielen des Pöbels!
Macht sie nicht heut' das Modell macht sie es morgen gewiß,
Wenn sie des Hutes bedarf, ihn gegen die Sonne zu schützen,
Welchem Rumpfe jedoch setzt man am besten ihn auf?
Ei, durchmustern wir schnell die Ilias oder die Bibel,
Welcher Göttin beliebt? Welche der Heiligen paßt?
Juno? Da wär' erst die Stirn zu renken, die römisch und kurz ist;
Venus? Du stehst mir im Weg, griechisches Mensch in Florenz!
Heidinnen, packt euch zum Teufel! Ich schenkt' ihn flugs der Madonna,
Doch die Sixtinische ist leider bis jetzt nicht geköpft.
Vasen werden zerbrochen und Trauerspiele vergiftet,
Aber der Maler erharrt seinen Salvator umsonst.
Sei der Seufzer verzieh'n! Und nun? Was quäl' ich mich länger!
Ist nur der Kopf erst gemalt, hängt sich ein Leib wohl daran.


作者
Christian Friedrich Hebbel

来源

Friedrich Hebbel: Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Besorgt von Richard Maria Werner. 1. Abteilung: Werke, Berlin: B. Behr’s Verlag, [1911 ff]. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0003-3C51-1; CC BY 3.0 DE; TextGrid, www.editura.de


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