Das Venerabile in der Nacht

(Ein Bild aus Neapel.)

Auf benachbartem Balcone
Sah ich, wenn die Nacht sich senkte,
Oft zwei Schwestern traurig geh'n;
Doch, wie nah' ich ihnen wohne,
Und wie d'rob mein Herz sich kränkte:
Tags hab' ich sie nie geseh'n;
Nur mit seiner Flammenkrone,
Die er, wie in Feuer, tränkte,
Sah ich den Granatbaum steh'n.

Heute auch sind sie erschienen,
Ihre Kleider, ihre weißen,
Schimmern durch die Nacht, wie Licht;
Und die Düfte zieh'n von ihnen
Her zu mir, die sich befleißen,
Zu erfrischen ihr Gesicht;
Nur die süßen Mädchenmienen,
Die den Himmel uns verheißen,
Nur ihr Antlitz, seh' ich nicht.

Horch'! da zieht es durch die Gassen,
Beten höre ich und singen,
Fromm gebeugt steht Jedermann;
Mit dem Christusbild, dem blassen,
Kommen Knaben, Glocken klingen
Und Gott selber naht heran;
Aber meine Nachbarn fassen
Nach den Lampen rings und bringen
Sie zum Fenster, knieen dann.

An die junge Brust sich schlagend,
Sinken zu des Ew'gen Preise
Auch die Schwestern auf das Knie;
Und, die helle Lampe tragend,
Kommt die Mutter still, die greise,
Und sie stellt sie zwischen sie;
Doch der Baum, sie überragend,
Streut auf sie die Blüten leise,
Die der Sommer ihm verlieh.


1845
作者
Christian Friedrich Hebbel

来源

Friedrich Hebbel: Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Besorgt von Richard Maria Werner. 1. Abteilung: Werke, Berlin: B. Behr’s Verlag, [1911 ff]. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0003-3C20-F; CC BY 3.0 DE; TextGrid, www.editura.de


报错/编辑
  1. 初次上传:李大侠
添加诗作
其他版本
添加译本

PoemWiki 评分

暂无评分
轻点评分 ⇨
  1. 暂无评论    写评论