Thorwaldsens Ganymed und der Adler


Knabe, süßer, wunderbarer,
Unter'm Kuß des Zeus gereift,
Blüte, die in leuchtend-klarer
Schönheit nie der Wind gestreift:

Sorgsam tränkst du und aesthetisch,
Wenn auch halb gelangeweilt,
Hier den Aar, der gravitätisch
Schmaus't und wenig sich beeilt.

Mancher würde ungeduldig,
Und er hätte Grund genug,
Doch du denkst: ich bin's ihm schuldig,
Weil er zum Olymp mich trug;

Weil er schnell, mich fester fassend,
In die Wolken mich entrückt,
Als ich, schwindelnd und erblassend,
Unter mich hinabgeblickt;

Ja, weil er sogar die Klauen
Unter'm Fittig-Paar verhüllt,
Die mich fast mit größerm Grauen,
Als der Abgrund selbst, erfüllt.

Solltest doch in's Ohr ihm raunen:
Spute dich zu deinem Heil;
Denn schon wölkte Zeus die Braunen,
Und – da fällt der Donnerkeil!

Auf, mein Vogel, dienstbeflissen!
Wie du auch das Auge rollst!
Du, o Knabe, wirst schon wissen
Wo du dich erholen sollst!


1843
作者
Christian Friedrich Hebbel

来源

Friedrich Hebbel: Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Besorgt von Richard Maria Werner. 1. Abteilung: Werke, Berlin: B. Behr’s Verlag, [1911 ff]. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0003-3A2F-0; CC BY 3.0 DE; TextGrid, www.editura.de


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