Das Korn auf dem Dache


Der Frühling ist gekommen,
Doch war der Winter scharf
Und hat mit weggenommen
Den nöthigsten Bedarf;
Die Pflüge bleiben stehen,
Es fehlt ja an der Saat,
Und muß auch was geschehen,
So weiß doch Keiner Rath.

Da hinkt ein alter Jude
In weißem Bart durch's Dorf,
Der kroch aus seiner Bude
Um etwas Sprock und Torf.
Er weilt bei jedem Schober
Und späht und bückt sich oft,
Und voll ist ihm der Kober,
Bevor er's noch gehofft.

Die Arbeit ward ihm sauer,
Nun will er denn nach Haus,
Da tritt ein müß'ger Bauer
Aus seiner Thür heraus.
Der ruft: Du hast dir Feu'rung
Gesammelt aus dem Mist,
So sag' auch, ob der Theurung
Nicht noch zu wehren ist.

Der Alte hebt die Blicke,
Doch bis zum Himmel nicht,
Dann tickt er mit der Krücke
Auf's Hüttendach, und spricht:
»War das nicht eine Aehre,
Was ich im Stroh dort sah?
Wenn's nicht die einz'ge wäre,
So ist die Hülfe nah'!«

Der Bauer geht zur Leiter
Und deckt die Hütte ab,
Er drischt sein Stroh noch weiter,
Im lust'gen Klipp und Klapp,
Und als die Körner springen,
Da folgt ihm Mann für Mann,
Und das wird so viel bringen,
Daß Jeder säen kann.


1853
作者
Christian Friedrich Hebbel

来源

Friedrich Hebbel: Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Besorgt von Richard Maria Werner. 1. Abteilung: Werke, Berlin: B. Behr’s Verlag, [1911 ff]. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0003-3D7B-E; CC BY 3.0 DE; TextGrid, www.editura.de


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