Schiffers Abschied


Hier steh'n wir unter'm Apfelbaum,
Hier will ich von dir scheiden,
Hier träumte ich so manchen Traum,
Hier trägt sich auch ein Leiden.

Hier sah ich dich zum ersten Mal,
In winterlicher Oede!
Wie war der Baum so nackt und kahl,
Wie warst du kalt und spröde!

Doch bald ergrünte Zweig nach Zweig,
Und alle Knospen trieben.
Da sprang dein Herz, den Knospen gleich,
Da fingst du an, zu lieben.

Wie ist er jetzt von Blüten voll!
Wie wird er reichlich tragen!
Doch, wer ihn für dich schütteln soll,
Das wüßt' ich nicht zu sagen.

Hei! Wie dich säuselnd jener Ast
Mit rothem Schnee bestreute,
Als ob er schon die schwere Last
Der künft'gen Früchte scheute!

Wenn über's Meer der Herbstwind pfeift
Und an dem Mast mir rüttelt,
So denke ich: sie sind gereift,
Und er ist's, der sie schüttelt!

Und muß mein Schiff vor seinem Braus
Gar an ein Felsriff prallen,
So ruf' ich noch im Scheitern aus:
Die schönste will nicht fallen!


作者
Christian Friedrich Hebbel

来源

Friedrich Hebbel: Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Besorgt von Richard Maria Werner. 1. Abteilung: Werke, Berlin: B. Behr’s Verlag, [1911 ff]. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0003-3A26-2; CC BY 3.0 DE; TextGrid, www.editura.de


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