Meine Frau unterm Ölbaum


Der Ölbaum: ein zarter Strauß, ...
Wie aus grauen Seidenspitzen, ...
Wie Silberschmiedarbeit sieht er aus,
Auf der schwarzblaue Edelsteine blitzen.

Stehst du darunter in dem Blumenkleide
Aus Indiens buddhabunter Seide,
Dann ist der ganze Garten ein Geschmeide.
Und, träume ich denn, was ich da seh?
Wen seh ich dort in Signor Bardis Haus
Vor seiner Staffelei im Türgevierte sitzen? –
Frate Giovanni da Fiesole!

Der weißen Kutte weite Ärmel sind
Den mageren Arm hinaufgeschlagen,
Und seine frommen braunen Augen fragen
Just seine Farbentiegel, ob für dich, mein Kind,
Sie auch genug der reinen Farben tragen.

Steh still, steh still! Und blicke klar und froh,
Gradaus, mich an! Aus deinen Augen lesen
Soll ferne Zeit noch, wie du gut und klar,
Wie schön und lauter du, wie treu und wahr
Dein starkes, liebevolles Herz gewesen!

Drum malt dich Fra Angelico.


1904
作者
奥托·尤利乌斯·比尔鲍姆

来源

Bierbaum: Gesammelte Werke, Bd. 1: Gedichte (Georg Müller, 1921), S. 202-; TextGrid https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0002-31EB-0; CC BY 3.0 DE; TextGrid, www.editura.de


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