4. An Grotthuß


Dem Jüngling zeigt die Welt ein Bild der Jugend;
Und sonnig wogt sein Weg bergab, bergan.
Romantisch lacht ihm selbst die ernste Tugend;
Sie beut sich ihm mit ihren Kränzen an.
Er glaubt so gern bei frommen Huldigungen,
Er habe sie, weil er sie liebt, errungen,
Ob auch für sie kein Schweiß ihm noch entrann.

Begeistert schaut sein Blick in jene Ferne,
Ins Labyrinth der Abendwelt hinaus;
Der Tag erscheint, und löscht ihm seine Sterne,
Die Wahrheit löscht ihm seine Bilder aus.
Das Morgenthal, wo ist es hingeschwunden?
Er fragt: wo sind die Nachtigallenstunden? –
Zerflattert ist ihr kleines Blütenhaus!

Freund! unser Wandel ist ein Gang nach Morgen;
Ein langer Schatten läuft uns lustig nach,
Es ist das Leben, mit verhüllten Sorgen;
Vor uns die Welt, ein offnes Lustgemach;
Doch Abend wird's, und unsre Kräft' ermatten,
Und vor uns schwebt der liebgewordne Schatten:
Nun laufen wir dem lieben Flüchtling nach!


作者
Christoph August Tiedge

来源

TextGrid Digitale Bibliothek, https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0005-5778-8; CC BY 3.0 DE; Attribution: TextGrid, www.editura.de


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