Mein Herz als Mond verkleidet


Rühr' im Schlaf an deine Wangen,
Hangen Tropfen an den Kissen,
Du und ich allein nur wissen:
Unser Sehnen hat vereint
Heiß sich in den Schlaf geweint.

Ach, mein Herz wie's liebt und leidet!
Spür es leis als Mond verkleidet
Weiß an deiner Tür.

Sehnsucht muß mit hellen Händen
Noch im Schlaf dein Zimmer blenden,
Und die blanken Scheiben schicken
Blicke, die tags dunkel bleiben;
Wo sie ungesehen fielen,
Steigen Lichter aus den Dielen.

Schweigen müssen Uhr und Zeit,
Sehnsucht spielt auf blauen Geigen,
Und wie einst auf Märzenauen
Werden Balken in den Räumen
Wieder kühn zu Knospenbäumen.
Und auch taut im Mond wie Eis
Lautlos deines Spiegels Glas,
Will mir Heimlichkeiten zeigen,
Die der Spiegel nie vergaß,
Er, der zärtliche Vertraute,
Der nur lebt von deinen Augen
Und in deine Sehnsucht schaute.

Dicht an deinen weißen Wangen
Will ich deinen Atem fangen.
Was die Scham mir nicht gestand,
Küß ich aus dem Schlaf der kleinen, zagen, zahmen Hand.

Rötet Morgen sich im Land,
Auf dem roten Dach der Welt
Tötet sich der Mond gelassen;
Und wer ahnt in lauten Gassen,
Daß, wo Sehnsucht hingestellt,
Sich noch nachts das Pflaster hellt,
Und mein Herz, als Mond verkleidet,
Nächtlich blinde Wünsche weidet.


作者
马克斯·道滕代

来源

Max Dauthendey: Gesammelte Werke in 6 Bänden, Band 4: Lyrik und kleinere Versdichtungen, München: Albert Langen, 1925.; TextGrid https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0002-71E7-B; CC BY 3.0 DE; TextGrid, www.editura.de


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