Das Waldthal


Wie süß in dir, o Waldeseinsamkeit,
Mein Thal, wo durch die grünen Blätterwogen
Der Menschheit bange Sorgen nie gezogen,
Hab' ich verträumt die Sommerzeit!

Der Schleier war von der Natur, der Bann,
Der sie von mir getrennt, hinweggenommen,
So freundlich blickte sie mich mit den frommen,
Den seelenvollen Augen an.

Was tiefgeheim in ihrem Innern lag,
Ließ sie mich lesen in den trauten Zügen
Und lehrte mich in Menschenlaute fügen,
Was sie im Blätterlispeln sprach.

Sie hat mir Frieden in das Herz geflößt,
Antwort gegeben mir auf alle Fragen,
Die angstvoll lang ich in der Brust getragen,
Und jedes Rätsel mir gelöst.

Von dir verbannt nun, sel'ger Zufluchtsort,
Seh' ich ihr neu ums Haupt den Schleier wallen,
Und was sie spricht, ist ein verworrnes Lallen;
Ich such' umsonst das Lösungswort.


作者
Adolf Friedrich von Schack

来源

Adolf Friedrich von Schack: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Dritte verbesserte und vermehrte Auflage, Band 2, Stuttgart: Cotta, 1897. TextGrid https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0004-B59E-F; CC BY 3.0 DE; TextGrid, www.editura.de


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