Lebenswonnen


Auf hohen Bergesgipfeln stehn,
Einen geliebten Freund umschlingen,
Hinauf zu den Wolken jubeln und singen
Und hinab zu den Thälern und Seen;
Einander im seligen Taumel schwören,
Sich in Leben und Tod zu gehören,
Große Thaten dereinst zu vollbringen
Oder im Ringen unterzugehn;

Im leichten sturmgeschaukelten Boot
Ueber das Meer dahingetrieben,
Mit der einen, die wir lieben,
Ruhen beim flammenden Abendrot;
Lippen und Herz aneinander pressen
Und, der Erd' und des Lebens vergessen,
Durch der Wellen Schäumen und Stieben
Entgegenjauchzen dem leuchtenden Tod;

Nachts sich unter dem Sternenzelt
In dem wogenden Lichtglanz sonnen,
Der aus dem unergründlichen Bronnen
Der Ewigkeit niederschauert und -fällt,
Bis die Seele im trunknen Gesichte
Eins sich fühlt mit dem ewigen Lichte –
O wie schwindet nach solchen Wonnen
Alle Freude und Größe der Welt!


作者
Adolf Friedrich von Schack

来源

Adolf Friedrich von Schack: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Dritte verbesserte und vermehrte Auflage, Band 2, Stuttgart: Cotta, 1897. TextGrid https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0004-B689-6; CC BY 3.0 DE; TextGrid, www.editura.de


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