Am Meere


Nun nimm mich wieder an deine Brust,
Mein altes, geliebtes Meer!
Noch rollst du in Mut und Jugendluft,
Wie da ich dich ließ, einher.

Mir tönt's aus der brandenden Wogen Schwall
Entgegen wie Freundeslaut;
Als liebe Gespielen begrüß' ich sie all,
Die ich seit lang nicht geschaut.

Ich stürze hinein in die schäumende Flut;
Mir jubelt die Seele mit ihr:
Den Knaben, der einst ihr am Busen geruht,
Erkennt sie freudig in mir.

Und wie das Naß, gegeißelt vom Nord,
Die Brust und die Stirne mir kühlt,
Fühl' ich mir leise vom Herzen fort
Den Rost des Lebens gespült.

Die Wangen umkost mir der wirbelnde Schaum,
Es lacht ihn hinweg mein Mund;
Bald schaukelt die Welle mich hoch auf dem Saum,
Bald tauch' ich hinab in den Schlund.

Hinaus! Ins Allunendliche hin!
Das mißt' ich so manches Jahr.
Ja, altes geliebtes Meer, noch bin
Ich derselbe, der einst ich war.


作者
Adolf Friedrich von Schack

来源

Adolf Friedrich von Schack: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Dritte verbesserte und vermehrte Auflage, Band 2, Stuttgart: Cotta, 1897. TextGrid https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0004-B632-6; CC BY 3.0 DE; TextGrid, www.editura.de


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