Bei Athen


Sie ist's; gefunden hab' ich sie, die Stelle,
Die Sokrates zum Ruh'n sich gern erlas;
Vom Felsenhange rieselt kühl die Quelle,
An der er oft mit Phädrus saß.

Hier sprach der Weise von dem Ew'gen, Einen,
Der Sonne, die um Mittag immer steht,
Indessen schnell im flüchtigen Erscheinen
Die Welt der Sichtbarkeit vergeht.

Als ob er eines Gottes Nahsein ahne,
Lieh andachtvoll sein Liebling ihm das Ohr;
Ob ihren Häupten rauschte die Platane
Zu der Cikaden Sommerchor.

Theater lagen, Tempel, Siegesbogen
Und Säulenreihn endlos vor ihnen da,
Und murmelnd aus der Ferne scholl das Wogen
Des Volkes von der Agora.

Und nun? Im Schutte, der mit seinem Volke
Und seinen Göttern Griechenland begräbt,
Wo blieb Athen? Geh! frag die Staubeswolke,
Die wirbelnd sich vor dir erhebt!

Umsonst hoch von der Burg herab beschützte
Der Pallas helmgeschmücktes Riesenbild,
Das fern den Schiffern schon entgegenblitzte,
Die hehre Stadt mit goldnem Schild.

Verstummt der Rennbahn Lärm, die Siegspäane,
Der Opferzug durchs hohe Säulenthor!
Nur über mir noch säuselt die Platane
Zu der Cikaden Sommerchor.


作者
Adolf Friedrich von Schack

来源

Adolf Friedrich von Schack: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Dritte verbesserte und vermehrte Auflage, Band 2, Stuttgart: Cotta, 1897. TextGrid https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0004-B4DA-B; CC BY 3.0 DE; TextGrid, www.editura.de


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