XII. Frieden


Hoch am Himmel ſtand die Sonne,
Von weißen Wolken umwogt,
Das Meer war ſtill,
Und ſinnend lag ich am Steuer des Schiffes,
Träumeriſch ſinnend, — und halb im Wachen
Und halb im Schlummer, ſchaute ich Chriſtus,
Den Heiland der Welt.
Im wallend weißen Gewande
Wandelt' er rieſengroß
Ueber Land und Meer;
Es ragte ſein Haupt in den Himmel,
Die Hände ſtreckte er ſegnend
Ueber Land und Meer;
Und als ein Herz in der Bruſt
Trug er die Sonne,
Die rothe, flammende Sonne,

Und das rothe, flammende Sonnenherz
Goß ſeine Gnadenſtrahlen
Und ſein holdes, liebſeliges Licht,
Erleuchtend und wärmend,
Ueber Land und Meer.

Glockenklänge zogen feierlich
Hin und her, zogen wie Schwäne,
Am Roſenbande, das gleitende Schiff,
Und zogen es ſpielend an's grüne Ufer,
Wo Menſchen wohnen, in hochgethürmter,
Ragender Stadt.

O Friedenswunder! Wie ſtill die Stadt!
Es ruhte das dumpfe Geräuſch
Der ſchwatzenden, ſchwülen Gewerbe,
Und durch die reinen, hallenden Straßen
Zogen Menſchen, weißgekleidete,
Palmzweig-tragende,
Und wo ſich Zwei begegneten,
Sahn ſie ſich an, verſtändnißinnig,
Und ſchauernd, in Liebe und ſüßer Entſagung,
Küßten ſie ſich auf die Stirne,
Und ſchauten hinauf
Nach des Heilands Sonnenherzen,

Das freudig verſöhnend ſein rothes Blut
Hinunterſtrahlte,
Und dreimalſelig ſprachen ſie:
Gelobt ſey Jeſu Chriſt!


作者
海涅

来源

Heine, Heinrich: Buch der Lieder. Hamburg, 1827. S. 340–342. DTA/BBAW: https://www.deutschestextarchiv.de/book/view/heine_lieder_1827/348 (CC BY-SA 4.0).


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