Hochbild


Die Sonne, Helios der Griechen,
Fährt prächtig auf der Himmelsbahn,
Gewiſs das Weltall zu besiegen
Blickt er umher, hinab, hinan.

Er sieht die schönste Göttinn weinen,
Die Wolkentochter, Himmelskind,
Ihr scheint er nur allein zu scheinen,
Für alle heitre Räume blind

Versenkt er sich in Schmerz und Schauer
Und häufiger quillt ihr Thränenguſs;
Er sendet Lust in ihre Trauer
Und jeder Perle Kuſs auf Kuſs.

Nun fühlt sie tief des Blicks Gewalten,
Und unverwandt schaut sie hinauf,
Die Perlen wollen sich gestalten:
Denn jede nahm sein Bildniſs auf.

Und so, umkränzt von Farb’ und Bogen,
Erheitert leuchtet ihr Gesicht,
Entgegen kommt er ihr gezogen,
Doch er! doch ach! erreicht sie nicht.

So, nach des Schicksals hartem Loose,
Weichst du mir Lieblichste davon,
Und wär’ ich Helios der groſse
Was nützte mir der Wagenthron?


作者
歌德

来源

Goethe, Johann Wolfgang von: West-östlicher Divan. Stuttgart, 1819. S. 163–164. DTA/BBAW: https://www.deutschestextarchiv.de/book/view/goethe_divan_1819/173 (CC BY-SA 4.0).


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